Symposium Bad Teinach 2013

Bildung - Glaube - Seelenheil

Ein Symposium zum 400. Geburtstag von Prinzessin Antonia von Württemberg

am 23.3.2013


Die kabbalistische Lehrtafel in Bad Teinach ist ein weltweit einmaliges Kulturerbe. Kein anderes Kunstwerk verbindet wie sie barocke Lebenswelt und Bildungsideale mit religöser Dramatik und psychologischer Individualität.

Zum 400. Geburtstag ihrer Schöpferin, Prinzessin Antonia von Württemberg, will sich das Symposium dem kulturellen Vermächtnis des Gemäldeschreins von verschiedenen Seiten nähern und die allem zugrunde liegende Gesamtidee entschlüsseln.


Der idyllisch gelegene Kurort Bad Teinach im Nordschwarzwald verdankt seinen Bekanntheitsgrad nicht nur den heilenden Wassern seines “Sauerbronnens” oder der ruhigen, erholsamen Lage am Fuß des imposanten Zabelsteins, sondern auch einer kulturellen Besonderheit.

Die württembergische Prinzessin Antonia (1613 – 1679), eine Schwester Herzog Eberhards III., läßt 1673 in der Teinacher Dreifaltigkeitskirche einen gewaltigen Bilderschrein aufstellen, der unter dem Namen “Kabbalistische Lehrtafel” schon zu Lebzeiten der Prinzessin Erstaunen, Bewunderung und genausoviel Unverständnis hervorruft. Denn die Prinzessin beschäftigt sich – wie es Zeitgenossen ausgedrückt haben - “mit der dunklen Cabbala” und kann Hebräisch “wie ein Mann.” Ihre Erkenntnisse auf diesem Gebiet hat sie auf der Tafel malen lassen und in einem “systema totius mundi” zusammengefaßt – einem barocken Weltpanorama und Andachtsbild, dessen mystischer Hintergrund und biblische Figurenvielfalt seit Aufstellung des Kunstwerkes in der kleinen Teinacher Kirche Menschen aller Glaubensrichtungen und Lebensanschauungen interessiert hat.

Lehrtafel - “Pictura docens” - heißt der Gemäldeschrein nach einer lateinischen Beschreibung von Laurentius Schmidlin, einem Mitarbeiter Antonias bei der Ausarbeitung des Bildprogrammes. Es ist in der Form eines Triptychons in einen barocken Rahmen gesetzt und umaßt vier Gemälde. Ein Außenbild zeigt einen Frauenzug, der von der Erde in den Himmel aufsteigt. Seiner Anführerin tritt Christus mit einer Palme entgegen. Diese Anführerin ist Prinzessin Antonia im Hochzeitskleid, gefolgt von ihren beiden Schwestern Anna Johanna und Sibylla.

Das geöffnete Außenbild gibt den Blick auf zwei bemalte Seitenflügel und ein großes Innenbild frei. Auf den Seitenbildern ist die Auffindung des Mose im Körbchen durch die Pharaonentochter zu sehen, auf dem Pendant die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten.

Das lichtvolle Innenbild enthält die kabbalistische Komponente durch die Darstellung des kabbalistischen Lebensbaumes. Darunter versteht man in der jüdischen Mystik die Offenbarung des nicht sichtbaren, absoluten Gottes in der Schöpfung durch zehn Spiegelungen oder Sefirot.

Die vier Bilder des Triptychons haben vier unterschiedliche Themenbereiche, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören. Die Bedeutung der einzelnen Figuren läßt sich mit Hilfe des Schmidlinschen Gedichts herausfinden. Warum aber die Prinzessin diese Bilderfolge und diese Bildinhalte gewählt hat, ist nahezu vierhundert Jahre ein Geheimnis geblieben.

Das Kennenlernen der Lehrtafel in Bad Teinach und die Beschäftigung mit der Ikonologie, einem Interpretationsverfahren des jüdischen Kunsthistorikers Aby Warburg, hat die Hannoveraner Religionswissenschaftlerin Dr. Eva Johanna Schauer angeregt, nach dem Schlüssel für die innere Verbindung der Bilder zu suchen, die sich durch die Ikonographie alleine nicht erschließt. Gefunden hat sie ihn in dem Bild der “himmlischen oder heiligen Hochzeit”, einer seit dem Altertum bekannten Chiffre für Initiationsriten. Mit dieser Decodierungshilfe läßt sich der Gemäldeverbund als dramaturgische Abfolge lesen , eingebunden in verschiebbare Kulissen unterschiedlicher Darstellungsebenen.

Das Symposium in Bad Teinach will zum 400. Geburtstag Prinzessin Antonias die Dramaturgie der Lehrtafel einem breiteren Publikum darbieten. Damit verbunden ist einmal eine Würdigung der württembergischen Prinzessin als außergewöhnlich gelehrte und fromme Frau. Zum andern stehen die Beweggründe im Mittelpunkt, die die Prinzessin veranlaßt haben, dieses gewaltige und fremdartige Unterfangen in Szene zu setzen.

Der Teinacher Lehrtafel kann so die Wertigkeit zurückgegeben werden, die ihr Prinzessin Antonia zugedacht hat, und die den Gemäldeschrein durch das tiefenschichtige Bildprogramm bis heute bedeutend macht.

Das Vorbereitungs-Team des Symposiums


Artikel in der Stuttgarter Zeitung "Antonias Welt" von Susanne Veil vom 21.3.2013

Hier können Sie den Flyer herunterladen:
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